Nürnberg/Roth - Mit einem gewagten Vergleich in einem Interview anlässlich der Internationalen Automobilausstellung hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Sexismus-Kritik eingehandelt. Auch eine Abgeordnete aus der Region missbilligt die Äußerung scharf.
10.09.2025 11:41 Uhr

Eine Äußerung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder anlässlich der Internationalen Automobilausstellung in München sorgt für Kritik. Insbesondere aus den Reihen der Bundestagsfraktionen der Grünen und von Die Linke kommen empörte Stimmen.

Anlass dafür ist ein umstrittener Vergleich, den der CSU-Chef im Rahmen eines Interviews mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zog. Auf die Fragen, ob Deutschland wieder mehr Bereitschaft zur technologischen Entwicklung und eine industrielle Basis braucht, antwortete Söder zusammenfassend: „Und eine industrielle Basis, selbstverständlich. Ohne Auto, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib.“

„Sprüche stinken nach altem Männerbund“

Evelyn Schötz, eine Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Roth, sieht darin eine sexistische Entgleisung des Ministerpräsidenten. „Söders Sprüche stinken nach altem Männerbund: Frauenkörper als Metapher, Industrie als Fetisch. Wer so redet, hat weder Respekt vor Frauen noch ein Konzept für die Zukunft“, so Schötz, die für Die Linke im Parlament sitzt.

Auch die Grünen-Politikerin Franziska Brantner warf Söder auf der Plattform X vor, Aufmerksamkeit mit sexistischen Äußerungen zu suchen. „Ohne Sexismus, Grünen-Hass und Würstchen ist Söder auch nur ein Mann ohne Aufmerksamkeit“, schrieb die Bundesvorsitzende der Partei.

Kritik an Söder von der Opposition

Kritik kam auch von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von Die Linke im Bundestag, Nicole Gohlke. Sie sieht in Söders Äußerung ein „gruseliges Frauenbild“ des CSU-Vorsitzenden. Söder scheine der Auffassung zu sein, eine Frau sei offenbar „nur dann etwas wert, wenn man sie für die Fortpflanzung benutzen kann“.

In etlichen Medien wurde Söders Äußerung ebenfalls kritisch kommentiert.

Bei der „Dame ohne Unterleib“ handelt es sich, wie bei der „Dame ohne Kopf“ oder der „schwebenden Jungfrau“, ursprünglich um eine illusionistische Attraktion auf Jahrmärkten, die ab dem frühen 20. Jahrhundert zur Blüte kam.


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