
Waffenstillstand? Ein Ende des Konflikts? Schön wäre es. Aber schon einen Tag nach dem - erfreulichen - Einknicken Trumps zeichnet sich ab: Daraus wird wohl nichts. Der nächste, dann dritte Schlag der USA und Israels gegen Iran dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Netanjahu schafft ohnehin vollendete Tatsachen: Mit Wucht geht seine Armee im Libanon keineswegs nur gegen die Hisbollah vor wie bei der präzisen High-Tech-Attacke auf Pager von Terroristen 2025. Die jüngsten Angriffe treffen massiv die Zivilbevölkerung. Wieder geht Israel zu weit mit seinem berechtigten Kampf gegen seine vom Iran unterstützten Feinde, die wie Teheran das Land vernichten wollen.
Amerika verliert, wenn es nicht gewinnt. Der Iran gewinnt, wenn er nicht verliert
Trump hat sich in einen Krieg hineinziehen lassen, der gut gemeint ist - aber miserabel gemacht. Ein Regime-Change in Teheran wäre erfreulich für die Welt und die unterdrückten Menschen im Iran. Aber nun trat wegen unfassbar schlechter Planung ein, was viele befürchteten: Amerika verliert, wenn es nicht gewinnt. Der Iran gewinnt, wenn er nicht verliert.
Daher setzt Trump erneut die Europäer unter Druck und will sie hineinziehen in einen Angriffskrieg, der das Gegenteil des Nato-Verteidigungsfalls ist und daher gewiss keine Beistandsgarantie auslöst. Trumps Größenwahn - den Begriff „Größen“ kann man spätestens nach seinen Ausfällen gegen Iran streichen - isoliert Amerika. An der EU darf die von Trump erneut in Frage gestellte Nato nicht scheitern. Daher wäre eine gelassene, gemeinsame Antwort der Europäer wichtig.
Trump gefährdet zudem Regierungen weltweit, die leichter zu stürzen sind als die Mullahs. In vielen Staaten, die abhängiger sind von der Energie aus der Golf-Region, gelten bereits drastische Einschränkungen - Fahrverbote, Rationalisierungen und anderes. Die Auswirkungen auf Europa sind vergleichsweise geringer - noch.
Der Chef der Internationalen Energie-Agentur IEA warnt aber: Die jetzige Krise sei größer als alle drei Energiekrisen zuvor (die von 1973, 1979 und 2022) zusammen. Es drohten auf Monate, wenn nicht Jahre hohe, steigende Preise. Fatih Birol spricht von einem „Weckruf, die Energiestrategien neu zu gestalten“. Und warnt vor der Gefahr, dass Populisten die Benzin-Wut vieler Bürger noch befeuern, um demokratische Regierungen auszuhebeln. Was, nebenbei, den Orbán-Wahlhelfern Trump und Vance gefallen würde.
Reiche kann sich offenbar ein Tempolimit vorstellen
Darauf müssen Politiker reagieren. Was die Koalition bisher zeigte, ist dürftig. Die 12-Uhr-Grenze an der Zapfsäule floppt. Nötig wäre ein Mix, der gezielt den Schwachen und besonders Betroffenen hilft - keine pauschalen Tank-Rabatte oder Steuersenkungen. Die Nürnberger Wirtschaftsweise Grimm, die Ministerin Reiche berät, plädiert für ein Tempolimit. Doch die Ressortchefin will diese goldene Brücke der Vernunft offenbar nicht gehen.
Und es braucht eine Politik, die Erneuerbare nicht ausbremst, sondern fördert. Sonst fällt die nächste Energiekrise garantiert noch größer aus.

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