
Zu alt, zu harsch auftretend, im Auftreten häufig nicht ganz stilsicher: So lauten einige der Vorwürfe, die gegen Wolfgang Kubicki erhoben werden, seit er sich um das Amt des FDP-Vorsitzenden bewirbt. Interessant daran ist, dass diese Vorwürfe häufig in besonders heftiger Form von der politischen Konkurrenz kommen, aus dem linken, grünen und konservativen Lager. Von Menschen also, die sowieso den Liberalen ihre Stimme nicht geben würden.
Ja, der 74-Jährige ist ein schwieriger und unangepasster Mann, der immer wieder mal den Mund zu voll nimmt und dessen Performance man gelegentlich kritisch bewerten kann. Aber die FDP ist eben auch keine Partei, die einen allseits beliebten Vorsitzenden anbieten muss, um 20 oder 30 Prozent der Wählerstimmen zu holen. Sie ist eine vom Verschwinden bedrohte Partei, die in Serie aus den Parlamenten geflogen ist. Häufig war sie weit entfernt von der Fünf-Prozent-Hürde.
Erstes Ziel der FDP muss der Erreichen der Kernwählerschaft von mindestens fünf Prozent sein
Realistisch betrachtet müssen es die Liberalen möglichst bald schaffen, wenigstens ihre alte Kernwählerschaft von fünf Prozent aufwärts wieder für sich zu begeistern. In erster Linie ist an die klassische Klientel zu denken, die Selbständigen und die Vertreter der Wirtschaft, aber auch die Menschen mit stark freiheitlicher Ausprägung und diejenigen, die zusehends die Grundrechte gefährdet sehen.
Bei diesen Gruppen kommt der „Lautsprecher“ Kubicki oft ganz gut an. Als Anwalt war er nie von einem politischen Mandat abhängig, hatte auch kein schlechtes Gewissen wegen der Nebenverdienste, als streitbarer Strafverteidiger machte er sich vor Gericht einen Namen und in Talkshows kann er gegen Mitdiskutantinnen vom Schlage Sahra Wagenknechts und Heidi Reichinneks gut bestehen.
Wenn man derart am Ende ist wie die FDP und aus kaum einen Parlament heraus noch für Aufmerksamkeit sorgen kann, dann braucht es eine bekannte Figur, die wahrgenommen und sofort mit der Partei identifiziert wird. Schon einem Christian Dürr, immerhin bis vor einem Jahr Fraktionschef im Bundestag, fiel das erkennbar schwer. Die Zeit, neue Namen wie den NRW-Landesvorsitzenden Henning Höne erst mal bundesweit bekannt zu machen, haben die Liberalen nicht.
Wolfgang Kubicki wird, sollte er gewählt werden, zumindest die Aufmerksamkeitshürde spielend meistern, davon ist auszugehen. Ob das zum Vorteil der FDP ist oder ob er sich nicht vielleicht mit schrägen, provozierenden Sprüchen selbst ins Aus schießt, wird zu sehen sein.
Als Freak-Bewegung haben die Liberalen keine politische Zukunft
Die Gefahr des starken Übertreibens um der bloßen Provokation willen ist durchaus vorhanden bei ihm. Als eine Freak-Bewegung dürfen die Liberalen jedoch nicht auftreten, wenn sie wieder Erfolg haben wollen. Kubickis Verantwortung ist enorm. Er kann, wenn er es falsch anstellt, zum endgültigen Totengräber der Partei werden. Oder zu einer Art zweiten Christian Lindner, der sie aus der außerparlamentarischen Opposition heraus zurück in den Bundestag führt.


4 Kommentare
M95L
...großes Risiko, k(l)eine Alternative. Der politische Liberalismus per populistischer Lautsprecherdurchsagen?...
10.04.2026 12:43 Uhr