
Sie wollten nichts unversucht lassen. Mehrere Hundert Kleeblatt-Fans trafen sich in der Nacht von Freitag auf Samstag am Fürther Hauptbahnhof, um von dort aus mit einem eigens organisierten Sonderzug knapp 500 Kilometer nach Münster zu fahren. Um ihre Mannschaft in einem der wichtigsten Spiele der jüngeren Vergangenheit so gut es geht zu unterstützen und alles daran zu setzen, gemeinsam einen großen, womöglich sogar vorentscheidenden Schritt im Abstiegskampf zu gehen.
Doch diesen Schritt verpasste das Kleeblatt. Nach einem sehr schwachen, fahrigen und fehlerbehafteten Auftritt mühten sich die Fürther, denen kaum etwas gelang, beim Tabellenletzten zu einem torlosen Unentschieden - und müssen nach dem 0:0 sogar zufrieden sein, nicht verloren zu haben.
Reich und Bjarnason beginnen bei der SpVgg Greuther Fürth
Eine Woche nach der Niederlage gegen den SC Paderborn entschied sich Heiko Vogel zu zwei Wechseln in der Startelf. Brynjar Ingi Bjarnason ersetzte, wie erwartet, den gesperrten Abwehrchef Philipp Ziereis in der Innenverteidigung, Lukas Reich durfte nach seiner auffälligen Leistung als Einwechselspieler zuletzt anstelle von Jannik Dehm als Rechtsverteidiger beginnen. Die beiden Neuen mussten nach Anpfiff zunächst viel verteidigen, weil die Preußen das Spiel zunächst an sich rissen - allerdings ohne gefährlich zu werden.
Das wurden die Fürther derweil in der fünften Minute nach einem hohen Ballgewinn, Noel Futkeu rannte aber im Strafraum in zwei Gegenspieler, sodass die Chance verpuffte. Danach leisteten sich die Gäste, wie schon in den vergangenen Spielen, immer wieder technische Fehler und Unsauberkeiten, einen Freistoß in aussichtsreicher Position schoss Felix Klaus in die Arme von Johannes Schenk (14.). Ansonsten ließ das Kleeblatt den Ball dauerhaft durch die eigenen Reihen laufen, schaffte es aber nicht, sich Chancen zu erspielen.
Insgesamt war beiden Mannschaften und der Partie anzusehen, dass da gerade der Tabellenletzte gegen den Vorletzten spielte. Erst in der 25. Minute versuchte es Branimir Hrgota mal aus der Distanz, Schenk konnte den Schlenzer aber zur Ecke abwehren. Nach dieser köpfte Bjarnason aus kurzer Distanz deutlich vorbei, knapp zehn Minuten später drosch der Münsteraner Jannis Heuer einen Freistoß aus 22 Metern in Fangnetz (34.). Kurz darauf erarbeitete sich das Schlusslicht seine bislang besten Möglichkeiten, doch sowohl Etienne Amenyido als auch Joshua Mees grätschten Hereingaben am Fürther Tor vorbei (38./40.).
Als Schiedsrichter Jarno Wienefeld zur Pause pfiff, da war der Blick auf die Statistiken ein ernüchternder: Die Fürther hatten zwar 72 Prozent Ballbesitz gehabt, 360 Pässe und damit dreimal so viele Pässe gespielt wie ihr Gegner, sich aber nur einen Expected-Goals-Wert von 0,11 erspielt - alle Möglichkeiten zusammengenommen hatten also einen elfprozentige Torwahrscheinlichkeit.
Auch der zweiten Durchgang begann ohne Höhepunkte, die Abstiegs-Angst schien die Beine aller 22 Männer auf dem Feld zu lähmen. Nachdem Mees bei einer Ecke aus kurzer Distanz weit über das Fürther Tor geschossen hatte (54.), wollte im Mittelfeld kein Fürther zum Ball gehen, sodass Mees alleine auf Silas Prüfrock zulaufen konnte. Der Angreifer umkurvte den Torhüter zwar, Paul Will rettete aber noch in höchster Not. Abgesehen von einem Distanzschuss von Reich, den Schenk auch mit der Brust hätte stoppen können (58.) sowie einem etwas gefährlicheren Versuch von Hrgota (60.) gelang dem Kleeblatt derweil: nichts.
Stattdessen bewahrte Prüfrock seine Mannschaft vor dem Rückstand: Nach Flanke von Jano Ter Horst musste sich der junge Torhüter beim Abschluss von Yassine Bochuama strecken, um den Ball noch über die Latte zu lenken (62.). Dann hatte Fürths Trainer Vogel, den man am Seitenrand oft den Kopf schütteln sah, genug gesehen und brachte mit Marco John (für Dietz) und Aaron Keller (für Ltaief) zwei frische Spieler (63.) Vier Minuten später hatten die Gäste eine große Chance auf das 0:1, Klaus‘ Freistoß aus 20 Metern war aber mehr ein Schüsschen als ein Schuss, sodass Schenk erneut keine Probleme hatte (67.).
Eine Viertelstunde vor Schluss hielten alle Fürther den Atem an. John wollte bei einem langen Ball mit einem ebenso langen Schritt retten, fasste sich direkt danach aber ans Knie und musste lange von Ärzten und Physiotherapeuten behandelt werden. Diese überbrachten dann die schlechte Kunde: Der 23-Jährige musste nur knapp zehn Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Platz. Für ihn kam Julian Green, zudem sollte Dehm auf der rechten Seite für frischen Wind sorgen.
Doch auch danach war der Tabellenletzte näher am Führungstor. Der enorm wacklige Bjarnason spielte am eigenen Strafraum einen gefährlichen Fehlpass, Lars Lokotsch konnte die Einladung aber nicht nutzen (82.). In der Schlussphase konnte man als Beobachter den Eindruck gewinnen, dass beide Mannschaften dieses Spiel gar nicht gewinnen wollten, weil so gar nichts zusammenging. In der Nachspielzeit rettete der Münsteraner Niko Koulis vor dem einschussbereiten Futkeu, die letzte Ecke in der 94. Minute schoss Green: zum Gegner. Dann war Schluss.





12 Kommentare
Der Beobachter
Vogels bisherige Bilanz bei uns: 17 Punkte aus 15 Spielen. Es gab diese kurze Erfolgsserie mit den 10 Punkten aus 4 Spielen, da hat man plötzlich seinen Kampfgeist entdeckt, hat gefightet und wirklich alles gegeben und das Glück dann auch ein bißchen erzwungen. Aber jetzt, wo es wirklich um die „Wurst“ geht, spielt man plötzlich wieder einen mutlosen, ängstlichen Fußball, und zudem hat man den Eindruck, die Spieler geben keine 100 Prozent mehr. Wie kann das sein ? So wird es definitiv nicht zum Klassenerhalt reichen. Der Trainer ist jetzt in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Spieler in den letzten 5 Endspielen wirklich alles aus sich herausholen und uns zeigen, dass sie ihr Herz auf dem Platz lassen und alles dafür tun, um den Abstieg noch irgendwie zu vermeiden. Aber egal ob Abstieg oder Klassenerhalt - nach dieser Saison muß ein ordentlicher Schnitt her, und zwar nicht nur im Kader sondern auch in der sportlichen Führungsebene (Schwiewagner, Fürstner).
13.04.2026 18:48 Uhr