Fürth - Die Enttäuschungen der vergangenen Jahre haben längst Spuren hinterlassen. Trotzdem fahren fast 900 Menschen dem Kleeblatt nach Münster hinterher - was nicht wenige schon im Stadion bereut haben dürften, wie Michael Fischer in der Kolumne schreibt.
14.04.2026 15:00 Uhr

Die Resignation ist inzwischen ein steter Begleiter. Mit wem man sich auch unterhält rund um die Spiele des Kleeblatts, ob mit den Jungspunden auf der Nordtribüne oder den alten Hasen auf der Gegengerade, bei allen haben die vergangenen Jahre ihre Spuren hinterlassen. Das stetige Verlieren und vor allem der stetige sportliche Überlebenskampf zehren, machen traurig und wütend - und führen bei manchem sogar dazu, dass er (oder sie) sich emotional immer weiter distanziert von dem Verein, dem man mal sein Herz geschenkt hat.

Es ist eine unterschätzte Folge des sportlichen Niedergangs der jüngeren Vergangenheit, dass die Liebe erkaltet, dass man nur noch in den Ronhof geht, weil man es eben seit Jahren und Jahrzehnten so macht, weil man ja trotzdem viele nette Menschen trifft, die das gleiche Schicksal teilen. Eine echte Begeisterung für die Spielvereinigung spürt man aber nur noch selten, was man auch an der oft mauen Stimmung im Stadion sieht.

887 Menschen fuhren der SpVgg Greuther Fürth nach Münster hinterher

Umso überraschender war es, dass sich am Samstag nach offiziellen Angaben genau 887 Menschen dazu entschieden, 500 Kilometer quer durch Deutschland nach Münster zu fahren. Die Hälfte davon sogar in einem eigens organisierten Sonderzug der aktiven Fanszene, der pro Person 110 Euro kostete. Nimmt man die Eintrittskarte und die Verpflegung für einen sehr langen Ausflug dazu, dürften viele locker 150 Euro ausgegeben haben, um der Mannschaft hinterher zu reisen.

Was sie alle dann im Gästeblock verfolgten, war mal wieder ernüchternd. Sportlich hat das Kleeblatt beim Tabellenletzten einen Punkt geholt. Emotional hat ein ganzer Verein aber erneut verloren. Bei vielen war sowohl während des Spiels als auch danach vor allem eines zu spüren: Resignation.