Berlin - Die bemannte Raumfahrt ist eine teure, aber sinnvolle Angelegenheit. Sie eröffnet der Menschheit in tristen politischen Zeiten neue Dimensionen, schreibt Harald Baumer in seinem Pro-Kommentar.
10.04.2026 11:35 Uhr

Was mögen sich die Astronautin und die Astronauten des Artemis-Programms gedacht haben, als sie vom All aus auf die Erde blickten? Bedenkend, dass dort genau zu diesem Zeitpunkt Kriege geführt werden - in der Ukraine, im Iran und in etlichen anderen Regionen der Welt. Möglicherweise haben sich die Raumfahrer Folgendes gedacht: Warum tun wir Menschen uns das auf diesem wunderbaren Planeten an, der doch Ressourcen genug für ein friedliches Zusammenleben aller bieten würde.

So aufwändig der gerade beendete bemannte Flug Richtung Mond gewesen sein mag und so sehr es dabei auch um einen eher plumpen Prestige-Wettstreit der Großmächte gegangen sein mag, so sehr hat er uns doch auch gezeigt, wozu wir Menschen in der Lage sind. Unter anderem dazu, außerhalb unserer schützenden Atmosphäre zu überleben und eine exakte Flugbahn von 430.000 Kilometern mit punktgenauer, sicherer Landung bei der Rückkehr zu berechnen. Das alles und noch viel mehr können wir.

Die Reise zum Mond ist eine Inspiration für die Wissenschaft und für junge Menschen

Dieser Leistungsnachweis ist nicht das einzige Argument, solche Aktionen zu begrüßen. Die davon ausgehende Inspiration dürfte für die Wissenschaft und für junge Menschen gewaltig sein. Vor allem aber tragen die Erkundung des Alls, das Landen auf Monden und Planeten sowie die Probenentnahme zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Neue Technologien werden erprobt, Nebenprodukte für Medizin- und Computertechnik springen dabei heraus.

Historisch betrachtet hat die Raumfahrt immer wieder Innovationen massiv beschleunigt. Im Regelfall reichen unbemannte Missionen, denn Roboter können viele Aufgaben besser erledigen. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn sich auch weiterhin gelegentlich Menschen ins All wagen. Unter anderem, um das Leben außerhalb der Erde zu erproben. Am Ende könnte, wenn auch in weiter Ferne, eine bemannte Reise zum Mars stehen.

Das gesamte Unternehmen Artemis hat weit weniger als ein Promille des jährlichen Haushalts der USA verschlungen. Ein vertretbarer Anteil für ein Leuchtturm-Projekt von diesen Ausmaßen, das die Menschheit vorangebracht hat.