
Auf die zunehmende Kritik nach der 0:2-Heimpleite des 1. FC Nürnberg gegen Dynamo Dresden hatte Miroslav Klose dezent gereizt reagiert. Es sei nämlich gar nicht alles so schlecht gewesen, erklärte der Trainer nach ausführlichem Videostudium und wollte auch von einer angeblich fehlenden Entwicklung generell nichts wissen. „Ich lasse mir die Saison nicht zerreden“, betonte Klose trotzig. Lange Zeit schien es am Samstag so, als könne der Club diese Saison nun zumindest einigermaßen unaufgeregt zu Ende bringen. Einmal mehr aber verspielte Kloses stark nachlassende Elf beim 1:1 (0:1) in Bielefeld noch eine Führung und verpasste damit die erlösende 40-Punkte-Marke.
Klose hatte wie angekündigt auf die jüngste Heimniederlage reagiert und seine Mannschaft auf drei Positionen verändert. Im Mittelfeld mussten Tom Baack und Rabby Nzingoula weichen, dafür kehrte Finn Ole Becker nach vier Spielen in die Anfangsformation zurück, zudem durfte der 19-jährige Spanier Javier Fernandez nach drei Kurzeinsätzen sein Startelfdebüt geben. Im Angriff verdrängte wieder mal Routinier Adriano Grimaldi den glücklosen Youngster Piet Scobel.
Kloses Kollege Mitch Kniat nahm im Vergleich zur happigen 1:4-Niederlage in Karlsruhe gleich vier personelle Umstellungen vor, zum Teil aber nicht ganz freiwillig. So musste das Wiedersehen mit dem erst im Winter nach Bielefeld gewechselten früheren Club-Kapitän Robin Knoche wegen eines Infekts ausfallen. Mit Tim Handwerker und Semir Telalovic standen allerdings zwei andere Ex-Nürnberger auf dem Platz.
Das auswärtsschwächste Team der Liga will seine Punkte im Abstiegskampf vor allem mit den eigenen Fans im Rücken holen, schon nach acht Minuten erfuhr die anfangs elektrisierende Stimmung auf der mit 25.134 Zuschauern ausverkauften Alm aber einen erheblichen Dämpfer. Weil sich Bielefelds bis zur Mittellinie aufgerückte und ganz auf Grimaldi konzentrierte Innenverteidigung bei einem weiten, tückisch aufspringenden Ball von Adam Markhiev komplett verschätzt hatte, durfte Mohamed Ali Zoma plötzlich allein auf Keeper Jonas Kersken zurennen. Der Rest war für Nürnbergs pfeilschnellen Top-Torjäger nur mehr Formsache, mit einem platzierten Flachschuss aus 16 Metern ins linke Eck erzielte er seinen bereits elften Saisontreffer.
Torschütze Zoma muss beim 1. FC Nürnberg früh angeschlagen vom Platz
Zwölf Minuten später war Zomas Arbeitstag allerdings schon gelaufen, der Italiener schlurfte angeschlagen vom Platz und wurde durch Rafael Lubach ersetzt. Trotz dieser Schwächung wirkten die defensiv gegen zwar spielbestimmende, aber ideenlose Ostwestfalen meist sehr stabil stehenden Gäste weiterhin gefährlicher. Nach einer Hereingabe von Berkay Yilmaz hatte Becker das 2:0 auf dem Fuß, trat aber freistehend über den Ball (28.), elf Minuten später strich sein Linksschuss aus 16 Metern knapp über das Tor.
Mit gellenden Pfiffen wurde die Arminia von ihrem Publikum in die Pause verabschiedet, was bedeutete, dass der Club in diesen ersten 45 Minuten wohl einiges richtig gemacht haben musste. Die bange Frage war, ob Kloses für fehlende Konstanz bekanntes Team diesmal über die komplette Spielzeit fokussiert bleiben würde. Mit Scobel für den ebenfalls angeschlagenen Grimaldi startete der FCN in eine zweite Halbzeit, die tatsächlich immer mehr vom Aufsteiger bestimmt wurde. In der 58. Minute konnte sich der Club bei Jan Reichert bedanken, der gegen den plötzlich völlig freistehenden Mael Corboz mit einem grandiosen Reflex den Ausgleich verhinderte (58.).
Auf der Gegenseite schickte Lubach mit einem allerdings harmlosen Distanzschuss ein kleines Lebenszeichen der wieder einmal in eine seltsame Passivität verfallenden, offensiv kaum noch in Erscheinung tretenden Gäste (67.). Es kam, wie es kommen musste: Mit einem von Kapitän Fabio Gruber abgefälschten Freistoß aus 16 Metern traf Linksverteidiger Handwerker in der 81. Minute noch zum 1:1. Dass Lubach in der Nachspielzeit noch den sicheren Siegtreffer kläglichst vergab, passte nur ins Bild - auch im Videostudium dürfte diese wieder einmal enttäuschende zweite Halbzeit Klose kaum gefallen können.
Info
Nürnberg: Reichert; Koudossou, Gruber, Lochoshvili, Yilmaz - Markhiev - Becker (70. Porstner), Fernandez (70. Nzingoula) - Justvan (60. Baack), Zoma (25. Lubach) - Grimaldi (46. Scobel). / Bielefeld: Kersken; Lannert (46. Wörl), Bauer, Großer, Handwerker - Russo - Rochelt, Corboz (78. Young) - Grodowski (68. Momuluh), Boakye (60. Hagmann) - Telalovic (46. Uldrikis). / Schiedsrichter: Braun (Wuppertal). - Tore: 0:1 Zoma (8.), 1:1 Handwerker (81.). - Zuschauer: 25.134 (ausverkauft). - Gelbe Karten: Bauer (3), Russo (7) / Fernandez.
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1 Kommentar
M95L
...eine Mauer, die sich schon vor dem Schuss auflöst. Und ein junger Profi, der offenbar den Blei-Schuh rechts gewählt hat...
18.04.2026 22:24 Uhr