
Die Bundesjustizministerin will Schwarzfahren nicht mehr als Straftat verfolgen - und erhält sofort Gegenwind: Die Gewerkschaft der Lokführer, der Betriebsrat von DB Regio, Vertreter der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft fordern, dass der Staat die Ordnung in öffentlichen Verkehrsmitteln durchsetzt – und sich nicht hinter jene stellt, die das System ausnutzen. Sollte es nicht genug Vollzugsbeamte und Richter geben, dann müsse man eben nachsteuern.
Aber wo sind denn die Schranken, Sperren, Zugangshindernisse und Kontrollen zu Bahnhöfen? Wo das Drehkreuz vor einem Bahngleis oder einem U-Bahnhof? Gibt es nicht. Deshalb ist es so leicht, sich den Zugang zu „erschleichen“, sich still in Bus oder Bahn zu setzen und darauf zu hoffen, nicht erwischt zu werden. Ein Kavaliersdelikt ist dies nicht. Und ja, in der Folge erhöhen die Verkehrsbetriebe die Tarife für die braven, zahlenden Kunden, um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren.
200 Millionen Euro: Kosten für den Steuerzahler
Und doch unternehmen die Verkehrsbetriebe - von spontanen Kontrollen abgesehen - im Vorfeld nichts, um Fahrten ohne Fahrschein zu verhindern. Die Justiz wird als Inkassobüro missbraucht, die Kosten dem Steuerzahler aufgebürdet. Etwa 200 Millionen Euro fallen jedes Jahr für Strafverfolgung und Haft an.
Zum Vergleich: Keiner, der ausgeht und auch nur ein Fenster seiner Wohnung gekippt lässt, darf im Fall eines Einbruchs auf Versicherungsschutz hoffen. Und es fällt auch auf, dass immer nur Frauen und Männer wegen „Leistungserschleichung“ vor dem Kadi landen, die ohne Fahrkarte unterwegs waren. Nie sind Fans angeklagt, die sich ohne Eintrittskarte ins Stadion gemogelt haben, um ein Spiel des 1. FC Nürnberg zu verfolgen. Kein Strafprozess, in dem Freunde des Nürnberger Staatstheaters beschuldigt werden, sich Zutritt zu einem Theater- oder Konzertsaal verschafft zu haben, ohne zu bezahlen.
Verkehrsbetriebe sollten ihr eigenes Personal endlich schützen
Warum? Weil an all diesen Eingangstüren kontrolliert wird. Und genau das sollten auch die Verkehrsbetriebe endlich zustande bringen. Das würde ihr eigenes Personal schützen und in Bussen und Bahnen für Ordnung und Sicherheit sorgen.


5 Kommentare
Samoth
In den Bussen wird das ja schon gemacht. Zustieg abends nur vorne beim Fahrer. Und in der Pariser U-bahn war es schon immer so, dass der Zugang nur mit gültigem Ticket möglich ist. Beides ist mittlerweile notwendig. Zugangssperren an den Bahnsteigen und den U-bahnstationen um der Ehrlichkeit nachzuhelfen und Kontrollen dort, wo man keine Drehkreuze installieren kann. Schwarzfahren sollte eine Straftat bleiben und die ÖPNV Betreiber sollten verpflichtet werden, elektronische Zugangssyseme an den Backbones ( Züge, U-Bahnen und Straßenbahnen.) einzurichten.
09.04.2026 13:55 Uhr