Berlin - Der 1000-Euro-Krisenbonus, den die Bundesregierung für Arbeitnehmer möglich machen will, dürfte wohl ein Flop werden. Das befürchtet Harald Baumer in seinem Kommentar. Er hält den Vorschlag der Koalition für übergriffig gegenüber den Unternehmen.
16.04.2026 15:18 Uhr

Der entlarvendste Moment im Zusammenhang mit der steuerfreien 1000-Euro-Krisenprämie, welche die Bundesregierung den Arbeitnehmern ermöglichen will, war ein Auftritt von Jens Spahn. Der Fraktionsvorsitzende der Union war gefragt worden, ob denn auch der Bund seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diesen Betrag zahlen werde. Die Antwort fiel eindeutig aus.

„Ich sehe für den Bund aktuell keine Grundlage, eine entsprechende Prämie an seine Beschäftigten zu zahlen“, sagte der Christdemokrat. Übersetzt hieß das: Angesichts der angespannten Haushaltslage ist es für den Staat nicht verantwortbar, soviel Geld auszugeben. Eine zweifelsohne richtige Diagnose. Aber etliche Unternehmen können es sich im Gegensatz zum öffentlichen Dienst offensichtlich schon leisten, so ist das ja wohl zu verstehen.

Das Problem ist der Erwartungsdruck gegenüber den Firmen

Anderen etwas vorzuschlagen, das man selbst nicht umsetzen kann oder will, das ist eine übergriffige Vorgehensweise. Natürlich ist keine Firma verpflichtet, ihren Arbeitern und Angestellten die 1000 Euro zu überweisen. Ähnlich wie die Bundesregierung kann es die Wirtschaft mit finanziellen Nöten begründen, auf die Auszahlung zu verzichten. Aber es entsteht trotzdem ein gewisser Erwartungsdruck von Seiten der Beschäftigten, die das Geld gut brauchen könnten.

Es ist schon klar, warum die Koalition auf diese gar nicht neue Bonus-Idee gekommen ist, die bereits die Ampel nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine umgesetzt hatte. Man hat die Nöte vieler Arbeitnehmer gesehen, die - zum Beispiel als Pendler - mit den hohen Spritpreisen überfordert sind. Diese grundsätzliche Erkenntnis ist lobenswert und gehört auch zu den Aufgaben der Politik.

Aber trotzdem gilt die schlichte ökonomische Wahrheit: Staat und Wirtschaft können solch übergeordnete, durch globale Krisen ausgelöste Probleme nicht dauerhaft kompensieren. Schon gar nicht in einem Land wie Deutschland, das in rasendem Tempo Industriearbeitsplätze verliert und Rekorde an Firmenschließungen vermelden muss.

Nicht ohne Grund ist der Tankrabatt zeitlich befristet, denn er verschlingt vermutlich 1,6 Milliarden Euro. Mit dieser Beschränkung handelt sich die Regierung aber gleich den nächsten Ärger ein, denn beim Auslaufen dieser Vergünstigung wird es fast zwangsläufig heftige Proteste geben - und den Hinweis darauf, dass die Spritpreise immer noch sehr hoch seien.

Der Bonus für Arbeitnehmer dürfte dieses Mal kein Renner werden

Der steuerfreie 1000-Euro-Bonus, das ist zu befürchten, wird dieses Mal kein Renner werden. Darauf lassen Erklärungen der Wirtschaftsverbände und einzelner Unternehmen schließen. Es werden sich ausschließlich Firmen, denen es finanziell gut geht, daran beteiligen. Die haben aber jetzt schon viele Chancen, ihren Beschäftigten entgegenzukommen. Insofern weist die Regelung zu allen anderen Problemen auch noch eine gewisse soziale Unwucht auf.