
Immerhin: Die FDP ist wieder mal in einem Zustand, in dem sie zuletzt länger nicht war - sie ist im Gespräch. Der Anlass dazu war in Bayern zunächst einmal eher schräg bis peinlich für die Liberalen: Bei der Bekanntgabe der Kampfabstimmung um den Landesvorsitz wurde zunächst der unterlegene Moritz Fingerle als Sieger ausgerufen, nicht der neue bayerische Chef-Liberale Matthias Fischbach - ein Kuriosum.
Auch der Erlanger Fischbach sagte danach, es wäre schöner, mit Inhalten Schlagzeilen zu machen statt mit einer Panne. Das liegt nun an ihm - zumindest, was den Freistaat angeht. Ein begrenztes Spielfeld mit überschaubaren Handlungsmöglichkeiten. Wie groß die sind, das hängt wesentlich von der Strahlkraft (oder eben Mattigkeit) der Bundespartei und ihrer Spitze ab.
Wenn es um die Währung Aufmerksamkeit geht, ist die Entscheidung gefallen
Da steht Ende Mai die Entscheidung an: Wird der 74-jährige Wolfgang Kubicki neuer FDP-Chef oder der 39-jährige Henning Höne? Ein umstrittener, polarisierender Talkshow-Star tritt da gegen einen über seine Heimat Nordrhein-Westfalen hinaus kaum bekannten Landespolitiker an.
Sollte Aufmerksamkeit inzwischen tatsächlich die einzige Währung sein, die in der Politik gilt, dann wäre die Wahl schon entschieden: Höne hätte keine Chance gegen Kubicki. Aber es zählen immerhin auch noch Leistung und Inhalte - und da könnte der jüngere Kandidat zeigen, dass zum Spektrum einer liberalen Partei deutlich mehr gehört als vor allem bis ausschließlich die Freiheit der Wirtschaft, die Kubicki sehr in den Blick nimmt.
Es gibt nämlich durchaus eine Marktlücke für eine liberale Partei, die sich nicht nur als Anwalt der Wohlhabenden sieht, sondern als Verfechter umfassender Freiheit. Beispiel Social Media: Inzwischen zeichnet sich bei fast allen Parteien die (bisher folgenlose) Tendenz für ein Verbot der Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen ab.
Aber ist es sinnvoll, unter 16-Jährigen eine Welt vorzugaukeln, die das Digitale und damit einen ganz zentralen Aspekt der Lebens- und Arbeitswelt künstlich ausblendet? Das wäre wohl eine zu einfache, zudem leicht zu umgehende Scheinlösung. Mehr Bildung, mehr Medien-Kompetenz, mehr Mut der Politik, bei den Tech-Giganten Verantwortung für deren Inhalte einzufordern - das wäre sinnvoller, wenn auch anstrengender. Die Liberalen bevorzugen diesen Weg.
Eine solche demokratische, streitbare Partei könnte Debatten beleben. Nicht besserwisserisch und oberlehrerhaft, wie dies Christian Lindner oft tat, sondern offen für echten Austausch und sachlichen Streit. Die neuen FDP-Chefs in Bayern und demnächst im Bund hätten genug große Namen, an die sie anknüpfen könnten. Matthias Fischbach seien Thomas Dehler empfohlen oder Hildegard Hamm-Brücher, zwei prägende Liberale aus dem Freistaat. Im Bund hat Gerhart Baum eine spürbare, schmerzhafte Lücke hinterlassen, was den Einsatz für einen liberalen Rechtsstaat angeht. Freiheit in Verantwortung - dafür könnte es Marktchancen geben.


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